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Türkgücü München in der Analyse: Stabilität dank klarem Trainerplan

8 Spiele - 18 Punkte. Türkgücü München präsentiert sich aktuell in hervorragender Form. Dabei gestaltete sich der Saisonstart nach dem Neuanfang im Sommer alles andere als leicht. Ballorientiert analysiert die bisherige Saison der Mannschaft von Trainer Alper Kayabunar.
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Türkgücü München ist aktuell die Mannschaft der Stunde der Regionalliga Bayern. In den vergangenen acht Spielen punktete nur der Tabellenführer SpVgg Unterhaching einmal mehr als die Mannen von Trainer Alper Kayabunar. Damit steht man nun auf einem stabilen 5. Platz nach 16 Spieltagen.

Die Tabelle der letzten acht Spieltage der Regionalliga Bayern:

Platz Team Spiele Punkte Tore
1 Unterhaching 8 19 19:6
2 Würzburg 8 18 30:9
3 Türkgücü 8 18 13:8
4 Burghausen 8 17 18:7




Schwieriger Start nach Neuanfang für Türkgücü

Dabei sah es nach den ersten fünf Partien alles andere als gut aus für die Perlacher. Lediglich ein Sieg und 5 Punkte standen nach den ersten Wochen auf der Habenseite, wodurch man sich gleich zu Beginn der Saison im Tabellenkeller wiederfand. Nach dem Rückzug aus der 3. Liga aufgrund finanzieller Probleme musste man nun den Absturz in die Bayernliga fürchten. Doch Trainer Alper Kayabunar bewahrte Ruhe. Dass ein solcher Umbruch, den Türkgücü vor der Saison vollziehen musste, nicht ohne Problem vonstatten geht, überraschte nicht. Denn vor nicht allzu langer Zeit stand man noch komplett ohne Kader da.

Erster wichtiger Baustein für einen Neuanfang war die Zusage von Kayabunar. Der 36-Jährige war schon viele Jahre im Verein aktiv, stand einst in der A-Klasse auf dem Platz und begleitete in verschiedenen Funktion den Aufstieg in den Profi-Fußball. Gemeinsam mit den Verantwortlichen konnte man innerhalb weniger Wochen eine schlagkräftige Truppe für die Regionalliga zusammenstellen.

Türkgücü besser als die Punkteausbeute

Betrachtet man die ersten Spiele im Einzelnen, so waren auch hier schon – trotz der kurzen Einfindungsphase – positive Ansätze zu erkennen. Zum einen standen – wie der Blicke auf die jetzige Tabelle zeigt – mit Würzburg, Aubstadt  und Burghausen Gegner aus den Top-6 auf dem Programm. Zum anderen wären durchaus mehr Punkte für den Absteiger drin gewesen. Zieht man die expected Goals (erwartbare Tore anhand der Chancenqualität) heran, so war man in drei der ersten fünf Spiele dem Gegner überlegen. Jedoch haderte man mit der Chancenverwertung und konnte nur einmal das Spiel für sich entscheiden.

Da stimmte zwar die Spielweise, die Punktausbeute aber nicht. Dieses Ungleichgewicht haben wir in den Griff bekommen und können mit dem stabilen Punktepolster auf die Abstiegsränge zufrieden sein. Gerade nach der schweren Zeit zuvor.

-Trainer Kayabunar zum Saisonstart im „tz“-Interview

Starke Serie durch Effektivität

Dass man nun eine Serie von zuletzt 18 Punkten aus 8 Spielen starten konnte, liegt auch an der verbesserten Chancenverwertung. Während die expected Goals für die bisherige Saison rund 17 Tore hergaben, zeigte man sich sehr effektiv und konnte sechsmal mehr treffen als erwartet. Mit welcher Konsequenz und Abgezocktheit man aktuell vor dem Tor agiert, unterstreicht die Torwahrscheinlichkeit pro Schuss. Während ein Schuss in Deutschlands Regionalligen mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit von 12% den Weg ins Tor findet, sind es bei Türkgücü lediglich 9%. Die Perlacher machen aus wenig viel.

Viel Ballbesitz – zu wenig Chancen?

Neben der besseren Chancenverwertung macht sich Türkgücüs Eingespieltheit auch im Ballbesitz bemerkbar. Hatte man in der Frühphase der Saison nur selten häufiger den Ball als der Gegner, gehört man nun mit einer durchschnittlichen Ballbesitzquote von 53% zu den ballbesitzreichsten Mannschaften der Regionalliga Bayern. Im Spielaufbau versucht man den Ball möglichst schnell durch die eigenen Reihen laufen zu lassen, wie der Blick auf die Passrate zeigt. Mit durchschnittlich über 13 Pässen pro Minute eigenem Ballbesitz hebt man sich auch in dieser Beziehung vom Regionalliga-Schnitt (12,6) ab. Wie bereits die geringe Chancenqualität vermuten lässt, fehlt allerdings im letzten Drittel manchmal die zündende Idee. So schafft man es noch zu selten den entscheidenden Ball hinter die letzte Kette des Gegners zu spielen, weshalb man oftmals mit Flanken und Schüssen aus der Entfernung hantieren muss. Dass zum aktuellen Zeitpunkt der Entwicklung noch nicht alles bis ins Detail klappen kann, ist selbstredend. Dennoch wird Kayabunar mit seiner Mannschaft sicherlich daran arbeiten, die Gefahr vor dem gegnerischen Tor zu erhöhen.




Starkes Abwehrverhalten

Was hingegen schon sehr ordentlich funktioniert, ist die Arbeit gegen den Ball. Nur fünf Teams ließen in der Regionalliga Bayern weniger expected Goals zu. Das liegt zum einem an der guten Zweikampfführung. Nur die Würzburger Kickers gewannen mehr ihrer Defensivduelle. Bevor es überhaupt zum Zweikampf kommt, gelingt es der Mannschaft von Kayabunar sehr gut den Raum zu verteidigen. Kein Team fängt in der RL Bayern mehr Bälle des Gegners ab als Türkgücü. Dabei versucht man den Gegner schon möglichst früh zu stören. Durchschnittlich lässt man den Gegner nur 8,5 Pässe spielen, ehe man ihn durch frühes Pressing in eine Defensivaktion verwickelt. Auch hier liegt der sogenannte „PPDA“-Wert deutlich über dem Regionalliga-Durchschnittsniveau von knapp 10. Obwohl man bspw. beim 1:0-Auswärtssieg in Schweinfurt das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte, sind vier Zu-Null-Spiele in den letzten acht Spielen sicherlich kein Zufall.

Stabilität dank klarem Trainerplan

Nach holprigen Start konnte Trainer Kayabunar seine Mannschaft im oberen Drittel der Regionalliga Bayern stabilisieren. Dass man mit dieser neu zusammengewürfelten Mannschaft nicht um die Meisterschaft spielen würde, war abzusehen. Umso beeindruckender ist, wie man in kürzester zu Stabilität gefunden hat. Dabei scheint der Trainer einen klaren Plan zu verfolgen. Dominantes, strukturiertes Aufbauspiel, möglichst viel Spielkontrolle, defensive Stabilität und schnelle Rückeroberung des Balles. Was man schon aus vielen Trainermunden gehört hat, findet aktuell bei Türkgücü München schon in weiten Teilen Anwendung. Gelingt es nun auch noch, die Gefahr im letzten Drittel zu erhöhen und das vorhandene Potential über die vollen 90 Minuten abzurufen, so können sich die Türkgücü-Fans nicht nur auf eine stabile, sondern auf eine richtig gute Rest-Saison freuen.

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Quellen:
Karim Barak, Alper Kayabunar, CC BY-SA 4.0
wyscout.com / transfermarkt.de

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