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Paulo Dybala – die römische Lebensversicherung

Schon innerhalb weniger Monate scheint das Offensivspiel der AS Roma sehr abhängig von der Personalie Paulo Dybala geworden zu sein. Ballorientiert beleuchtet den Impact von Dybala auf die Mannschaft von Trainer José Mourinho und analysiert die Stärken & Schwächen des argentinischen Weltmeisters. Dabei ist er in einer Disziplin nur vom besten Fußballer aller Zeiten zu schlagen.
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Neuzugang Paulo Dybala – gefeiert wie ein Titel

Viel größer hätten die Vorschusslorbeeren für einen Spieler wohl kaum sein können. Über 10.000 Fans hießen Paulo Dybala bei seiner Präsentation als Neuzugang der AS Roma vor der Saison willkommen. Die rot-gelben Menschenmassen in Italiens Hauptstadt hätten vermuten lassen können, die Roma hätte die erste Meisterschaft seit 2001 zu feiern. Tatsächlich war es aber „nur“ der Transfer des argentinischen Superstars. Was auf der einen Seite eine Art von Anerkennung darstellte, war auf der anderen Seite eine unterschwellige Aufforderung: bring uns zurück in die Champions League! Eine Gestimmtheit, die so manchen Spieler Druck verspüren lassen und somit hemmen könnte. Zumal es für den Erfolg einer Mannschaft deutlich mehr braucht als einen Ausnahmekönner in der Offensive. Doch blickt man auf die bisherige Serie A-Saison der Mannschaft von Trainer José Mourinho, so scheint bereits nach einem halben Jahr der Impact von Paulo Dybala auf den Tabellenvierten enorm.

Paulo Dybala Statistik AS Rom




In den sieben Partien, in denen Paulo Dybala nicht in der Start-11 stand, kam die Roma auf lediglich 2 Siege und 8 Punkte. Die restlichen 29 ihrer 37 Punkte sammelten die Hauptstädter mit Paulo Dybala. In 12 Partien stand er nicht nur von Beginn an auf dem Platz stand, sondern nahm auch entscheidenden Einfluss auf das Endergebnis. In insgesamt 13 Einsätzen kommt der Argentinier bereits auf 7 Tore und 5 Vorlagen. Das entspricht einer direkten Torbeteiligung von allen 82 Minuten.

Besonderer Typ & X-Faktor

Wie wichtig Dybala für diese Mannschaft ist, geben nicht nur die Zahlen, sondern auch Trainer Jose Mourinho wieder. Kurz vor Jahresende bat er den frisch gebackenen Weltmeister, ein paar Tage früher aus dem wohlverdienten Urlaub zurückzukehren.

Dybala wollte ursprünglich am 1. Januar zurückkehren, aber ich habe ihm gesagt: ‚Ich möchte, dass du am 29. Dezember zurückkommst, denn ich habe Angst, dass wir ohne dich gegen Bologna nicht gewinnen können. Er hat mich am 27. angerufen. Am 28. saß er im Flugzeug zum Training. Er ist ein besonderer Typ.

– José Mourinho beschreibt das besondere Verhältnis zwischen ihm und Dybala

Da Dybala dem Wunsch seines Trainers nachkam, war er auch wenige später im Spiel gegen den FC Bologna einsatzbereit. Und José Mourinho sollte mit seiner Angst Recht behalten. Denn die Roma gewann nur dank eines von Dybala herausgeholten Strafstoß‘ mit 1:0.

Mehr Qualität im Angriff mit Dybala

Die Ankunft von Dybala hat die Art und Weise verändert, wie wir spielen […].

Dass Mourinho ein Experte darin ist, seine Mannschaften defensiv zu stabilisieren, ist hinlänglich bekannt. Dazu braucht der Portugiese sicherlich nicht Dybala. Vielmehr sind die Qualitäten des Offensivmanns im Angriffsspiel der Römer gefragt.

Interessanterweise hat die Roma in den Spielen ohne Paulo Dybala mehr Ballbesitz (53% statt 48%). Womöglich eine Reaktion des Gegners, der dem Ballbesitzspiel der Mourinho-Elf ohne den Argentinier deutlich weniger Gefahr zuschreibt. Diese Vermutung lässt sich nicht nur anhand der Torausbeute belegen. Mit Dybala kreiert die Roma pro 90 Minuten fast drei Schüsse und 0,5 xG mehr. Das liegt vor allem daran, dass die Qualität des Spiels mit Ball zunimmt. Sowohl beim geordneten Positionsspiel als auch beim Umschaltspiel sind die Angriffe effizienter und führen häufiger zum Abschluss. Darüber hinaus gewinnt man trotz der geringeren Ballbesitzanteile mehr Offensivduelle und kommt in der Folge häufiger im gegnerischen Sechzehner an den Ball.

Dribbelstark, kreativ & torgefährlich – ein kompletter Offensivspieler

Insbesondere in der Offensive sind viele Performance-Daten der Roma mit Dybala besser. Grund dafür ist die starke Performance, die Dybala in der bisherigen Serie A-Saison an den Tag legt.

Als hängende Spitze ist der 29-jährige Freigeist meist im rechten Halbraum unterwegs. Von dort aus holt er sich entweder die Bälle tief ab, um den Spielaufbau durch Seitenwechsel oder vertikale Ballführungen voranzutreiben, oder Dybala zieht mit seinem starken linken Fuß in die Mitte und sorgt für Torgefahr. Dabei kommt ihm seine große Stärke in engen Räumen zu Gute. Durch seine starke Technik und enge Ballführung ist er selbst unter Druck nur schwer vom Ball zu trennen. In Europas Top-5-Ligen gibt es in dieser Saison nur vier Spieler, die über eine höhere Erfolgsquote im Dribbling (69%+) vorweisen können. Besonders brenzlich wird es für die Verteidiger in der Serie A, wenn Dybala in den Sechzehner eindringt. Seine kurzen und schnellen Bewegungen provozieren regelmäßig elfmeterwürdige Fouls.

Heatmap via Wyscout
Heatmap via Wyscout: Zwar sorgt Dybala für sehr viel Gefahr im letzten Drittel. Jedoch lässt er sich auch gerne fallen und verzeichnet sehr viele Ballaktionen im Mittelfeld.



Seine Kreativität im letzten Drittel macht ihn unberechenbar, weshalb der Verteidiger nur schwer die nächste Aktion des Offensivkünstler antizipieren kann. Sei es der entscheidende Pass für den Mitspieler oder ein Schuss Richtung Tor – kaum ein Spieler ist an mehr schusserzeugenden Aktionen (4,83/90 Minuten) beteiligt.

Um selbst torgefährlich zu werden, muss Dybala häufig nicht einmal in den Strafraum eindringen. Seit 2015 erzielte Dybala laut Sky Sport 28 Tore von außerhalb des Sechzehners. Eine erstaunliche Marke, die in Europa nur von Lionel Messi überboten wird, der im selben Zeitraum 55-mal auf diese Art und Weise traf.

Riesentalent ohne Beständigkeit?

Sucht man nach Schwächen bei Paulo Dybala, so könnte man sicherlich seinen rechten Fuß, der nicht ganz so stark ist wie sein linker, oder seine Arbeit gegen den Ball, die nicht ganz so viele Zweikämpfe und Balleroberungen beinhaltet, nennen. Sein größtes Problem in der Vergangenheit war allerdings die Konstanz.

Er hat herausragende Serien mit Saisons abgewechselt, in denen er mehr hätte erreichen können. Er muss beständiger sein und das weiß er auch.

Claudio Marchisio über Dybala im Oktober 2021

Oftmals schwingt das Gefühl mit, dass bei einem Spieler seiner Fähigkeiten durchaus mehr möglich wäre. Obwohl 163 Scorerpunkte in 293 Einsätzen für Juventus Turin alles andere als schlecht sind, fehlte hin und wieder die Kontinuität in den Leistungen von Dybala. Besonders in den letzten Jahren bei der alten Dame ging der offensive Output erkennbar zurück.

Alle Wege führen nach Rom

Sein ehemaliger Trainer Massimiliano Allegri macht dafür sowohl die externe als auch die eigene Erwartungshaltung mitverantwortlich:

Dybala muss wieder zu sich selbst zurückfinden. Es gab einen Moment, in dem er sich dazu hinreißen ließ, der neue Messi zu sein.

Der Weg zu sich selbst scheint offenbar der vielzitierte Weg nach Rom gewesen zu sein. Denn seit seiner Ankunft bei „I Giallorossi“ vergeht kaum ein Spiel, in dem der Argentinier nicht direkt an einem Tor beteiligt ist. In lediglich vier seiner wettbewerbsübergreifend 14 Startelfeinsätzen konnte Dybala keinen Scorerpunkt beitragen.

Rom als goldrichtige Entscheidung

Schlussendlich scheint der Wechsel zur AS Roma die goldrichtige Entscheidung für die Karriere von Paulo Dybala gewesen zu sein. Sowohl Trainer als auch Fans schenken dem Weltmeister großes Vertrauen, das er bislang eindrucksvoll zurückzahlt. Dass es für den Linksfuß die erste Saison ohne Champions League-Fußball seit sieben Jahren ist, soll dabei eine Ausnahme bleiben. Sollte er seine aktuelle Form beibehalten und fit bleiben können, so stehen die Chancen groß, mit Mourinhos stabiler Defensive und dem argentinischen gewissen Etwas in der Offensive die Rückkehr der Roma in die Königsklasse nach vier Jahren Abstinenz zu schaffen.

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Quellen:
wyscout.com
instat.com
transfermarkt.de
whoscored.com
romapress.net
Leandro Ceruti from Rosta, Italia, Dybala 2017 (edited), CC BY-SA 2.0
Oleg Bkhambri (Voltmetro), 2017 FRIENDLY MATCH RUSSIA v ARGENTINA – Paulo Dybala 01 (cropped), CC BY-SA 4.0
Vincenzo.togni, The Stadio Olimpico di Roma before the match AS Roma vs HJK Helsinki (2022), CC BY-SA 4.0

Co-Founder & Analyst bei ballorientiert

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