2. Bundesliga

Fürth entlässt Schneider: zu wenig Torgefahr – zu wenig Zweikämpfe

Nach 13 Spielen und nur einem Sieg ist für Marc Schneider Schluss bei der SpVgg Greuther Fürth. Trotz zuletzt 4 Spielen ohne Niederlage ist die Entlassung durchaus nachvollziehbar, wie ein Blick auf die Statistiken und Performance-Zahlen der Kleeblätter zeigt. Dabei haperte es vor allem am Spiel gegen den Ball.
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Von hinten aus der Abwehr bis ins letzte Drittel soll es sehr, sehr zügig gehen, mit kurzen Ballkontaktzeiten. In der letzte Zone ist dann viel Kreativität gefragt. Dort sollen sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und auch mal drei oder vier Kontakte haben.





So erklärte Marc Schneider vor der Saison seine Spielphilosophie. Nach einem Sieg aus 13 Spieltagen und der damit eingehenden Entlassung ist diese gescheitert. Daran änderten auch die zuletzt vier ungeschlagenen Spiele nichts, in denen man immerhin sechs Punkte holte und Aufstiegsaspirant Paderborn schlagen konnte. Allerdings waren die drei Unentschieden gegen scheinbar lösbare Aufgabe wie Sandhausen, Regensburg und Rostock zu wenig für den Absteiger. Wie so oft in dieser Saison schaffte man es auch gegen Hansa Rostock nicht eine Führung ins Ziel zu bringen. In acht der 13 Partien unter Marc Schneider lag man zumindest zwischenzeitlich in Front. Bekanntermaßen sprang nur einmal ein Sieg dabei raus – mit Abstand Ligatiefstwert! Doch was sind die Gründe für die magere Punkteausbeute für die Kleeblätter?

Zu unruhig im Spielaufbau?

Der Blick auf die Ballbesitzquote bestätigt zunächst Schneiders Vorstellung von kurzen Ballkontaktzeiten. Mit durchschnittlich 50% waren die Spielanteile meist ausgeglichen. Dies bestätigt auch der „PPDA-Against“-Wert. Durchschnittlich spielte man acht Pässe, ehe der Gegner zu einer Abwehraktion kam. Nur zwei Mannschaften waren in dieser Beziehung unruhiger am Ball. Grundsätzlich kein als zwingend negativ auszulegender Parameter für eine Mannschaft. Jedoch gelang trotz kurzer Ballkontaktzeiten zu selten der Durchbruch ins letzte Drittel. Knapp 42 Pässe pro Spiel in jenen Bereich sind deutlich unter dem Liga-Durchschnitt. Folglich kam man auch zu selten aus aussichtsreicher Position zum Abschluss. Während ein Schuss in der 2. Liga im Durchschnitt mit einer Wahrscheinlichkeit von 12% ins Tor ging, waren es bei Greuther Fürth nur 10% – deutlich zu wenig für einen Absteiger aus der 1. Bundesliga. Dennoch konnte man letztendlich 17 Tore in 13 Spielen erzielen. Bei weitem kein Top-Wert, aber immerhin Ligadurchschnitt.

Viele Gegentore – wenig Zweikämpfe

Die größeren Probleme lagen in der Defensive, wie der bloße Blick auf die Tabelle zeigt. 22 Gegentore in 13 Spielen – dazu kein einziges davon zu Null! Die Mannen von Marc Schneider ließen zu viele gute Chancen für den Gegner zu. Die Torwahrscheinlichkeit pro Schuss des Gegners lag bei satten 16% – mit Abstand Liga-Höchstwert und ein klarer Beleg dafür, dass die Arbeit gegen den Ball nicht funktionierte. Dabei schien vor allem die Raumverteidigung ein großes Problem gewesen zu sein. Denn auch hier weist man mit Abstand die schwächsten Werte auf und fing so wenig Bälle des Gegners ab wie kein Team der 2. Bundesliga. Ebenso wenig kam man rechtzeitig bzw. überhaupt in die Zweikämpfe: knapp 56 kam es zum defensiven 1-gegen-1-Duell pro Spiel. Zum Vergleich: Hannover 96, das ähnlich oft den Ball gegen sich hatte, führte durchschnittlich acht Zweikämpfe mehr pro Partie. Die Zuordnung stimmte nicht, wodurch weder Raum noch Gegner konsequent verteidigt werden konnten.



Zu viele Baustellen – Entlassung als logische Konsequenz

Sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball offenbarten sich zu viele Schwächen im Fürther Spiel unter Marc Schneider. Selbst Führungen im Rücken konnten nicht für Sicherheit und Stabilität im eigenen Spiel sorgen. Je länger das Spiel dauerte, desto anfälliger wurde das Kleeblatt. 16 Gegentore in der 2. Halbzeit, davon 6 in der Schlussviertelstunde, sind abermals negativer Liga-Höchstwert. Eine klare Spielphilosophie, die Marc Schneider vor der Saison ankündigte und sicherlich klar im Kopf hatte, konnte nicht auf die Mannschaft übertragen werden. Der Kader gäbe sicherlich mehr als die erreichte Punktzahl her. Nimmt man dazu die angeführten Performance-Zahlen zu Rate, ist die Trennung von Marc Schneider trotz zuletzt vier ungeschlagener Partien durchaus nachvollziehbar.

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Quellen:
Анна Нэсси, Marc Schneider (footballer) 2019, CC BY-SA 3.0
wyscout.com
transfermarkt.de
bundesliga.de

Co-Founder & Analyst bei ballorientiert

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