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Die U23 des 1. FC Nürnberg marschiert unter Trainer Cristian Fiél

Beim Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga herrscht Tristesse im Frankenland. Umso mehr Spaß macht aktuell die U23 des 1. FC Nürnberg. Ballorientiert analysiert die bisherige Leistung der Mannschaft von Trainer Christian Fiél, in der ein Spieler genauso häufig trifft wie die gesamte Profi-Mannschaft.
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Dank Siegen in Fürth & München: Rang 3 für Fiéls kleinen Club

Die zweitmeisten Tore der Liga. Sieben der letzten neun Partien gewonnen. Darunter eindrucksvolle Siege beim FC Bayern und in Fürth. Besser könnte es für den 1. FC Nürnberg aktuell kaum laufen – zumindest, wenn von der U23 die Rede ist. Denn im Gegensatz zur ersten Mannschaft läuft es gerade für die junge Truppe von Trainer Cristian Fiél. Nach 20 Spieltagen führt man mit 38 Punkten als klarer Dritter hinter den beiden großen aus Unterhaching und Würzburg den Rest der Regionalliga Bayern an.

Durch den 1:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen starke Aubstädter ging der kleine Club in dieser Saison zum 12. Mal als Sieger vom Platz. Damit konnte bereits jetzt die Ausbeute aus der Vorsaison von 11 Siegen getoppt werden. Dementsprechend zufrieden zeigt sich Cristian Fiél in seinem zweiten Jahr als Trainer der Nürnberger Reserve:

Ich genieße diesen Fußball, den diese Mannschaft spielt!
-Cristian Fiél nach dem 3:1-Auswärtssieg bei den kleinen Bayern




Sturmtalent trifft so oft wie Profis

Mit über zwei Toren pro Spiel im Schnitt spielt man attraktiven Fußball, von dem man in der 2. Liga-Mannschaft nur träumen kann. Nach 15 Spieltagen traf die Weinzierl-Elf lediglich 13-mal. Wofür eine ganze Mannschaft 15 Spiele braucht, schaffte der Toptorjäger des 1. FCN II in den vergangenen 14 Einsätzen in Eigenregie. Die Rede ist von Leonardo Vonic. Nach Anlaufschwierigkeiten in den ersten fünf Partien gelangen dem 19-jährigen Offensivmann inzwischen 14 Tore und 5 Vorlagen. Interessanterweise lief es für den vielseitigen Deutsch-Kroaten erst wieder, nachdem man ihn aus dem Profitraining nahm. Seitdem gehört Vonic zu den besten Spielern der Liga. Seine Beidfüßigkeit machen ihn im Dribbling nur schwer ausrechenbar für den Verteidiger. Immer wieder sucht er den Weg in den gegnerischen Sechzehner und stellt seine Abschlussstärke unter Beweis. Während die expected goals (erwartbare Tore anhand der Chancenqualität) nur 9 Treffer hergäben, zeigte sich Jonic eiskalt vor dem Tor und traf 5-mal häufiger als erwartet.

Hohe Qualität in Fiéls Offensive

Entscheidenden Anteil an den starken Leistungen des Youngsters hat sicherlich auch U23-Trainer Fiél. So ist es doch die vorgegebene Spielweise des Ex-Dynamo-Trainers, die seine Offensivspieler immer wieder in hervorragende Abschlusssituationen bringt. Keine Mannschaft der Regionalliga Bayern spielte sich bisher hochkarätigere Chancen pro Schuss heraus. Im Schnitt beträgt die Torwahrscheinlich pro Abschluss starke 15%. Zum Vergleich: bei der ersten Mannschaft des Clubs sind es mit erschreckenden 8% von Liga 1 bis RL Bayern die wenigsten aller Mannschaften! Über die hohe Chancenqualität hinaus zeigte sich die Fiél-Elf sehr effektiv und erzielte insgesamte neun Tore mehr als erwartet. Stellt sich die Frage, wie es Cristian Fiél schafft, seine Mannschaft in solch gute Positionen zu bringen.

Mit Kurzpassspiel durchs Zentrum

Meist in einer 4231 bzw. 433-Formation agierend liegt der Fokus auf das Spiel durchs Zentrum. Mit einer Quote von durchschnittlich rund 51% ist dabei nicht die Quantität, sondern die Qualität des Ballbesitzes entscheidend – und diese ist hoch beim kleinen Club. Mit einer Passquote von 84% lassen nur die Bayern Amateure den Ball schneller durch die eigenen Reihen zirkulieren. Dank einem starken Positionsspiel schafft man es immer wieder Räume zu öffnen und diese zu bespielen. Nicht durch Zufall verzeichnet man die zweitmeisten progressiven Läufe der Liga. Auch hier ist wieder die Qualität entscheidend. Zwar spielt man bei weitem nicht die meisten Bälle ins Angriffsdrittel. Dafür jedoch mit einer Quote von 67% sehr genau. Dadurch kommen die dribbelstarken Offensivspieler immer wieder zu isolierten 1-gegen-1-Situationen gegen die Verteidiger des Gegenübers. Statt aus der Entfernung zu schießen oder den Ball blind in den Sechzehner zu flanken, versucht man mit kontrollierten Aktionen in den Sechzehner des Gegners einzudringen. In der Folge gehen 44% aller Schüsse auf das Tor.



Zu viele Zweikämpfe?

Neben der starken Offensive stellt man mit 22 Gegentoren und sieben Spielen ohne Gegentor die drittstärkste Abwehr der Liga. Besonders beeindruckend ist auch hier wieder ein Blick auf die expected goals. Während man im Angriff die höchste Chancenqualität verzeichnen kann, lässt man dem Gegner in der Defensive nur selten zu guten Chancen kommen. Gerade einmal 10% beträgt die durchschnittliche Torwahrscheinlichkeit eines gegnerischen Abschlusses – Topwert! Verbesserungswürdig ist allerdings die Frequenz der zugelassenen Schüsse. Aktuell kommt der Gegner rund 12-mal pro Spiel zum Abschluss, weshalb man mit einem erwartbaren Gegentorwert von 24 im Tabellenmittelfeld dieser Disziplin zu finden ist. Dass man in der Arbeit gegen den Ball nicht fleißig genug ist, kann man allerdings nicht behaupten. Denn kein Team führt in der RL Bayern mehr defensive Zweikämpfe als die Zweite des FCN. Trotz der ordentlichen Zweikampfquote entscheidet hier nicht nur die Qualität. Zu häufig lässt man sich in 1-gegen1-Duelle im Verteidigungsdrittel verwickeln, wodurch es hin und wieder zu gefährlichen Aktionen des Gegners kommt. Allgemein zeigte man sich im Spiel gegen den Ball zuletzt etwas passiver. Während zu Saisonbeginn noch deutlich mehr Pressingaktionen und folglich hohe Balleroberungen erzwungen wurden, zeigte man sich zuletzt etwas zurückhaltender. Wie der Erfolg der letzten Wochen jedoch beweist, scheint Fiél diesbezüglich das richtige Mittel für seine Mannschaft gefunden zu haben.

Sicherer Rückhalt

Dass man bis dato weniger Gegentore als von der Statistik erwartet kassierte, liegt auch an Torhüter Jan Reichert. Kein Torhüter verhinderte bisher mehr expected goals des Gegners als der 21-jährige Ex-Schweinfurter. Zudem zeichnet sich der 1,91m-große Schlussmann durch eine gute Strafraumbeherrschung aus und entschärft viele Hereingaben des Gegners durch sein offensives Torwartspiel.



Dank oder mit Fiél in die 2. Bundesliga?

Sei es Torhüter, Stürmer oder Trainer – bei der U23 des 1. FC Nürnberg passt aktuell vieles zusammen. Neben den genannten Spielern verbergen sich noch viele junge Talente im Kader von Cristian Fiél. Nach einem durchschnittlichen ersten Jahr scheint sich der 42-jährige Übungsleiter als der geeignete Mann für die Entwicklung des Club-Nachwuchses herauszukristallisieren. Ziel wird es sein, weiterhin mit attraktivem Fußball die Tabellenposition hinter den beiden großen zu verteidigen. Dafür wird Fiél keineswegs stur auf Plan A behaaren, sondern – wie in der bisherigen Saison gesehen – je nach Gegner einen Matchplan in der Tasche haben – ohne die eigene Spielidee zu vergessen. Angesichts der aktuellen Lage ist nicht auszuschließen, dass in der Rückrunde der ein oder andere Spieler nicht mehr für die U23 zur Verfügung stehen wird und im 2. Liga-Kader zu finden sein wird. Die größten Club-Pessimisten behaupten selbiges über den Trainer Cristian Fiél.

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Quellen:
wyscout.com
transfermarkt.de
bfv.de
DynaMoToR, 2019-02-28-Cristian Fiel, CC BY-SA 4.0

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