Bundesliga

Baumgarts Köln: Wenn Intensität auf Fußball trifft

Wir wollen unser Ding durchziehen - ein Satz, den man relativ häufig von Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln, hört. Was verbirgt sich hinter der Spielidee der Kölner? In welchen Bereichen konnten sich die Domstädter weiterentwickeln und wo ist noch Luft nach oben? Ballorientiert analysiert Spielweise und Taktik von Baumgarts Effzeh.
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Wir wollen unser Ding durchziehen!

Köln-Trainer Steffen Baumgart ist für seine markanten Sprüche und das Festhalten an seinen Spielprinzipien bekannt.

  1. Intensität als oberstes Gebot: Baumgarts Pressingmaschine
  2. Step by Step: Immer mehr Fußball
  3. Baumgarts Köln: Luft nach oben?







Intensität als oberstes Gebot: Baumgarts Pressingmaschine

Dass von Steffen Baumgart trainierte Teams hoch und aggressiv pressen, ist kein Geheimnis. Seine Spielidee hat der 50-Jährige auch mit zum Effzeh gebracht – und das sehr schnell. Schon in der letzten Saison waren die Kölner das Team mit den ligaweit meisten Balleroberungen. Das Pressing setzt sich in der bisherigen Saison – wenig überraschend – nahtlos fort. Dabei sind es nicht einmal spezielle Abläufe, die das Anlaufen der Kölner von den meisten anderen Teams unterscheiden. Vielmehr ist es zum einen der Mut, jeden Gegner so früh wie möglich im Spielaufbau zu stören und vor allem die beeindruckende Intensität, mit der die Elf von Baumgart ihre Rivalen stresst.

Die entscheidenden Parameter zum Messen des aggressiven Pressings belegen dies ganz klar. Beim statistischen Wert Herausforderungsintensität steht der 1. FC Köln mit 7,4  Abwehraktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz auf Platz 2 der Bundesliga. Ähnlich verhält es sich beim Parameter PPDA, der angibt, wie viele Pässe der Gegner spielt, bis er durch eine Abwehraktion, unterbunden wird – auch liegen die Domstädter auf dem 2. Rang. Möglich machen diese starken Werte die bereits mehrfach erwähnte Intensität. Die zweitmeisten gewonnen Zweikämpfe der Liga und die insgesamt zweitmeisten gelaufenen Kilometer stehen beispielhaft dafür – mehr lief bislang nur Tabellenführer Union Berlin. Eben jene Köpenicker, die dem Effzeh die einzige Saisonniederlage beisteuerten.

Man könnte noch zahlreiche weitere Parameter, wie zum Beispiel die Anzahl der intensiven Läufe, herbeiführen – entscheidend ist aber immer der Erfolg hinter diesem Ansatz. Wirft man einen Blick auf die Defensivdaten, gibt es so gut wie nichts auszusetzen an der Kölner Spielweise gegen den Ball. Sowohl im Bezug auf Quantität als auch auf die Qualität der gegnerischen Torchancen. Mit 60 zugelassenen Schüssen der Gegner haben nur die Bayern weniger zugelassen. Dasselbe gilt für die erwarteten Gegentore – auch hier zeigt sich das Team von Steffen Baumgart mit 5,9 xGa sehr stabil.

 

Step by Step: Immer mehr Fußball

Denkt man an den Fußball zurück, den die Kölner vor Steffen Baumgart spielen, war bereits die letzte Saison stilistisch ein echter Leckerbissen. In der laufenden Saison konnte man sich nochmal erheblich steigern! Immer mehr löst man spielerisch, was auch ein Blick auf die Zahlen untermauert.

Parameter Saison 21/22 Saison 22/23
Ballbesitz in % 55,4 57
Passquote in % 80,6 82,7
Gespielte Pässe/90 min 430 450
Lange Pässe in % 11,6 9,5
PPDa 10,31 12,59
Expected Points/Spiel 1,44 1,68

In allen relevanten statistischen Werten konnte man sich fußballerisch deutlich verbessern. Derzeit hat man am zweithäufigsten nach dem Rekordmeister den Ball. Dass man aber auch die drittmeisten Steilpässe der Liga spielt, zeigt, dass auch Tiefe und Vertikalspiel nach wie vor eine wichtige Rolle im Spiel der Kölner einnehmen. Im Zentrum des eigenen Spielaufbaus stehen in Baumgarts System die beiden Innenverteidiger. Hübers und Kilian spielen mit jeweils knapp 60 erfolgreichen Pässen pro Spiel die meisten beim Effzeh. Knapp dahinter rangiert Motor und Antreiber Ellyes Skhiri, der die beste Passquote der Kölner vorweist.

Besonders erwähnenswert ist die Passquote von Torwart Marvin Schwäbe. Mit knapp 93% angekommenen Pässen hat der Kölner Torhüter die beste Quote aller Torhüter – zum Vergleich: Manuel Neuer hat über 3% weniger, was die spielerischen Ambitionen der Baumgart-Elf im Spielaufbau klar hervorhebt. Regelmäßig mündet der fußballerische Ansatz auch in Offensivaktionen. Mit 98 Torschüssen hat der Effzeh die viertmeisten abgegeben. Nur einen Platz darunter belegt man in der Kategorie Ballkontakte im gegnerischen Sechzehner. Dass die Ausbeute vor dem Tor noch ausbaufähig ist, ist aber ein Faktor. Dazu im Folgenden mehr.

 

Baumgarts Köln: Luft nach oben?

Dass ein Torjäger fehlt, ist bereits angeklungen. Auch die Chancenqualität ist noch nicht ideal. Betrachtet man die erwarteten Tore liegen die Kölner „nur“ auf Platz 11. Ein Grund ist sicher, dass die vielen Flanken – wie im Vorjahr ist man hier einsamer Spitzenreiter – zu selten einen Abnehmer finden. Lediglich die beiden Österreicher Dejan Ljubicic und Florian Kainz konnten bislang zweifach in der Liga treffen. Vor allem Kainz überzeugt als Leistungsträger in der Offensive und konnte unter anderem auch schon 3 Torvorlagen sowie 2 Pre-Assists beisteuern.

Sucht man nach weiteren Faktoren, die das Offensivspiel der Kölner noch gefährlicher machen könnten, landet man schnell beim Thema 1 gegen 1. Neuzugang Linton Maina deutete in seinen letzten Einsätzen bereits an, dass er deshalb geholt wurde. Der technisch versierte Offensivspieler bringt mit seinen Fähigkeiten im Dribbling ein Element mit, das in Zukunft helfen kann, mehr Torchancen gegen gut im Block verteidigende Gegner zu erspielen. Das fehlte in der Saison beispielsweise im Heimspiel gegen die Schwaben vom VfB Stuttgart. Dass der gerade erwähnte Maina und Ljubicic die beiden einzigen Köln in der Top-50 der Kategorie Geschwindigkeit in der Liga sind, könnte man auch anführen.

Insgesamt aber alles kein Grund, das Haar in der Suppe zu suchen. Der Effzeh überzeugt unter Baumgart. Der Coach nutzt aufgrund der Dreifachbelastung auch die Breite des Kaders sehr gut, weshalb er bislang als einziger Trainer der Liga jede seiner Wechselmöglichkeiten ausgeschöpft hat. Wirft man einen Blick auf die Expected Points, stehen die Kölner sogar auf Platz 4 der Liga. Erinnert man sich an die Offensivstärke von Baumgarts Aufstiegsmannschaften aus Paderborn zurück (90 und 76 erzielte Tore), wird die Freude der Gegner, auf den 1. FC Köln zu treffen, auch in Zukunft sicherlich nicht größer.

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Quellen:
Hintergrundbild: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, 2021-08-08 FC Carl Zeiss Jena gegen 1. FC Köln (DFB-Pokal) by Sandro Halank–075CC BY-SA 4.0 & User:MR80Fans 1 FC Köln2CC BY-SA 3.0
Stats: wyscout & Bundesliga

Co-Founder & Analyst bei ballorientiert

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